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Redcare Pharmacy: Analystenaufstufung erwartet deutlichen Umsatzzuwachs im 2. Quartal durch E-Rezept

  • Durch die Einführung des E-Rezepts ist die Einlösung eines Rezepts im Internet genauso einfach wie in einer stationären Apotheke geworden. Kunden müssen nur ihre elektronische Gesundheitskarte vor das Smartphone halten, um das Rezept online einzulösen
  • Warburg Research stuft Redcare Pharmacy hoch. Analyst Michael Heider erwartet, dass der Umsatzzuwachs durch das E-Rezept im 2. Quartal sichtbar wird.
  •  Millionen von Menschen werden in Zukunft voraussichtlich rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente gemeinsam über das Internet bestellen, was durch bequeme Bestellmöglichkeiten und personalisierte Angebote unterstützt wird.

Redcare Pharmacy ist die größte Online-Apotheke Europas mit rund 11 Mio. Kunden in 7 verschiedenen Ländern und über 80.000 verschickten Paketen pro Tag. Das dürfte erst der bescheidene Anfang sein, denn durch die Einführung des E-Rezepts ist die Einlösung eines Rezepts im Internet genauso einfach wie in einer stationären Apotheke geworden. Zwar kann Redcare Pharmacy aufgrund der Preisbindung von rezeptpflichtigen Arzneien seinen Kunden keine besseren Preise machen als eine Apotheke, aber Millionen von Menschen werden in Zukunft voraussichtlich rezeptfreie (die online günstiger sind) und rezeptpflichtige Medikamente gemeinsam über das Internet bestellen. Zudem ist es für viele Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder in ländlichen Gebieten ohne nahegelegene Apotheken bequemer. Erinnerungen per App, persönliche Empfehlungen und eine bessere Verfügbarkeit der Medikamente runden das Angebot ab.

Das Apothekensterben in Deutschland und anderen europäischen Ländern deutet darauf hin, dass viele stationäre Apotheken im Wettbewerb mit dem Online-Handel keine Chance haben. Analyst Martin Comtesse von Jefferies sieht in der aktuellen Kursschwäche eine Kaufgelegenheit und betont die Bedeutung des E-Rezepts für den deutschen Markt. Er stuft Redcare auf "Buy" mit einem Kursziel von 180 Euro ein.

Die Schweizer Großbank UBS hatte Redcare Pharmacy Mitte Mai erstmals analysiert und eine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 86 Euro ausgesprochen, woraufhin der Aktienkurs einbrach. Analyst Olivier Calvet sieht das Wachstumspotenzial durch das deutsche E-Rezept als bereits eingepreist und betrachtet Amazon Pharmacy als langfristige Bedrohung.

Frischen Rückenwind gibt es nun von Analysten wie Warburg Research, die ihre Empfehlung am 24.06.24 von "Hold" auf "Buy" hochgestuft haben, mit einem Kursziel von 138 Euro. Analyst Michael Heider erwartet, dass der Umsatzzuwachs durch das E-Rezept im 2. Quartal sichtbar wird.

Wie sich Redcare im 2. Quartal geschlagen hat, könnte Anfang Juli klar sein. Das Unternehmen ist dafür bekannt, vorläufige Umsatzzahlen zum vorangegangenen Quartal zu kommunizieren. Der Halbjahresbericht folgt am 30. Juli.

Redcare Pharmacy hat durch die Einführung des E-Rezepts und die Verpflichtung von Günther Jauch als Werbegesicht in Deutschland, dem größten Markt, an Profil gewonnen. Mit dem neuen Einlöseweg Cardlink, der das Einlösen von E-Rezepten per elektronischer Gesundheitskarte ermöglicht, adressiert Redcare bisherige Herausforderungen und öffnet den Markt für verschreibungspflichtige Medikamente weiter.

Redcare plant, durch die Erweiterung des Produktangebots und die Nutzung umfangreicher Daten für personalisierte Angebote, den Umsatz um 30-40 % im Jahr 2024 zu steigern. Analyst Gerhard Orgonas von Berenberg sieht Redcare als einen der Favoriten unter den mittelgroßen Börsenwerten für 2024 und beziffert das Kursziel auf 190 Euro.

Durch das hohe Bestellvolumen und die größere Kundenbasis kann Redcare Pharmacy Skaleneffekte nutzen, die zu niedrigeren Beschaffungskosten und effizienteren Betriebsabläufen führen. Diese Effizienzgewinne können die Margen verbessern. Mittel- bis langfristig strebt das Unternehmen unverändert eine bereinigte Ebitda-Marge von über 8 % an. Dieses Jahr dürfte der Konzern bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp unter 1 den Sprung in die Gewinnzone schaffen.

Fazit: Redcare Pharmacy profitiert stark von der Digitalisierung des Gesundheitswesens und dem E-Rezept. Analysten sehen großes Potenzial, trotz einiger kritischer Stimmen. Cardlink könnte sich als Gamechanger erweisen und bei einem aktuellen KUV von unter 1 und einer Marktkapitalisierung von 2 Mrd. Euro dürfte dieses Potenzial im 250 Mrd. Euro großen europäischen Apothekenmarkt noch nicht vollständig eingepreist sein.

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